Krankmeldung: Der richtige Prozess für Arbeitgeber
Ein klarer Krankmeldungsprozess ist für Arbeitgeber und Mitarbeiter gleichermaßen wichtig. Dieser Guide zeigt, wie Sie Krankmeldungen rechtssicher und effizient handhaben.
Das Wichtigste in Kürze
- Mitarbeiter müssen Arbeitsunfähigkeit unverzüglich melden
- Die elektronische AU (eAU) ersetzt seit 2023 den gelben Schein
- Arbeitgeber müssen die eAU bei der Krankenkasse abrufen
- Entgeltfortzahlung besteht für 6 Wochen
- Digitale Systeme vereinfachen das Abwesenheitsmanagement erheblich
Gesetzliche Grundlagen
Meldepflicht des Arbeitnehmers
Nach § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) gilt:
Unverzügliche Mitteilung:
- Bei Arbeitsunfähigkeit sofort informieren
- Am ersten Tag, vor Arbeitsbeginn
- Voraussichtliche Dauer angeben
Nachweis:
- Ab dem 4. Krankheitstag AU-Bescheinigung erforderlich
- Arbeitgeber kann früher verlangen (ab 1. Tag)
- Muss im Arbeitsvertrag/Betriebsvereinbarung geregelt sein
Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)
Seit Januar 2023 gilt:
| Vorher | Seit 2023 |
|---|---|
| Gelber Schein | Elektronische Übermittlung |
| Mitarbeiter bringt zur Arbeit | Arzt übermittelt an Krankenkasse |
| Papierbasiert | Arbeitgeber ruft ab |
So funktioniert es:
- Mitarbeiter geht zum Arzt
- Arzt übermittelt eAU an Krankenkasse
- Arbeitgeber ruft eAU bei Krankenkasse ab
- Daten gehen in Lohnabrechnung
Entgeltfortzahlung
Anspruch auf Lohnfortzahlung:
- Dauer: 6 Wochen je Krankheitsfall
- Höhe: 100% des regulären Entgelts
- Voraussetzung: Arbeitsverhältnis besteht seit 4 Wochen
- Danach: Krankengeld von der Krankenkasse
Hinweis
Bei gleicher Krankheit innerhalb von 6 Monaten werden die Krankheitstage zusammengezählt. Nach 6 Monaten ohne diese Krankheit beginnt ein neuer 6-Wochen-Anspruch.
Der optimale Krankmeldungsprozess
Schritt 1: Krankmeldung durch Mitarbeiter
Was der Mitarbeiter tun muss:
Am ersten Krankheitstag:
- Arbeitgeber informieren (Telefon, E-Mail, App)
- Voraussichtliche Dauer nennen
- Erreichbarkeit für Rückfragen sicherstellen
Zeitpunkt:
- Vor dem regulären Arbeitsbeginn
- So früh wie möglich
- Bei Verlängerung: Erneut melden
Schritt 2: Erfassung im System
Was HR/Vorgesetzte tun:
Sofort:
- Abwesenheit im System erfassen
- Team informieren (falls nötig)
- Vertretung organisieren
Dokumentation:
- Datum und Uhrzeit der Meldung
- Voraussichtliche Dauer
- Ansprechpartner
Schritt 3: eAU-Abruf
Der neue Prozess:
Wann abrufen?
- Frühestens am Tag nach dem Arztbesuch
- Die eAU wird erst nach 1-2 Tagen verfügbar
- Bei Verzögerung: Erneut versuchen
Wie abrufen?
- Über das Entgeltabrechnungsprogramm
- Über das Systemhaus
- Über Steuerberater
Was enthält die eAU?
- Beginn und Ende der Arbeitsunfähigkeit
- Erst- oder Folgebescheinigung
- Keine Diagnose (nur für Krankenkasse)
Schritt 4: Verlängerung der Krankheit
Bei andauernder Krankheit:
- Mitarbeiter meldet sich erneut
- Arzt stellt Folgebescheinigung aus
- Erneuter eAU-Abruf erforderlich
- Lohnfortzahlung prüfen (6-Wochen-Grenze)
Schritt 5: Rückkehr an den Arbeitsplatz
Nach der Genesung:
Mitarbeiter:
- Zum vereinbarten Zeitpunkt erscheinen
- Bei Rückkehrgespräch: Teilnehmen
Arbeitgeber:
- Abwesenheit im System beenden
- Bei längerer Krankheit: BEM-Gespräch prüfen
- Gegebenenfalls Wiedereingliederung
Krankmeldung digital verwalten
Vorteile digitaler Systeme
Digitale Abwesenheitsverwaltung bietet:
Für Mitarbeiter:
- Krankmeldung per App möglich
- Keine Papiere mehr
- Status jederzeit einsehbar
Für Arbeitgeber:
- Automatische Dokumentation
- Übersicht aller Abwesenheiten
- Auswertungen (Krankenquote etc.)
- Erinnerungen bei langen Krankmeldungen
Integration mit eAU
Moderne Systeme bieten:
- Automatischen eAU-Abruf
- Abgleich mit Abwesenheitsmeldung
- Weiterleitung an Lohnabrechnung
- Lückenlose Dokumentation
Tipp
Ein integriertes System aus Zeiterfassung, Abwesenheitsverwaltung und Lohnschnittstelle reduziert den Verwaltungsaufwand bei Krankmeldungen erheblich.
Häufige Probleme und Lösungen
Problem: Mitarbeiter meldet sich nicht
Lösung:
- Klare Regeln im Arbeitsvertrag
- Mehrere Meldekanäle anbieten (Telefon, E-Mail, App)
- Bei Nicht-Meldung: Gespräch führen
- Wiederholte Verstöße: Abmahnung möglich
Problem: eAU nicht abrufbar
Mögliche Ursachen:
- Arzt hat noch nicht übermittelt
- Technische Probleme
- Falsches Krankenkassen-Kennzeichen
Lösung:
- 1-2 Tage warten und erneut versuchen
- Mitarbeiter kontaktieren
- Krankenkasse anrufen
Problem: Häufige Kurzerkrankungen
Ansätze:
- Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
- Fehlzeitengespräche führen
- Arbeitsbedingungen prüfen
- Gesundheitsförderung anbieten
Problem: Krankheit im Urlaub
Regelung:
- Urlaubstage werden nicht verbraucht
- AU-Bescheinigung erforderlich (auch im Ausland)
- Krankheitstage nicht nachgewährt, sondern neu beantragt
Rechte und Pflichten
Pflichten des Arbeitnehmers
| Pflicht | Details |
|---|---|
| Unverzügliche Meldung | Am 1. Tag vor Arbeitsbeginn |
| Nachweis | Ab 4. Tag (oder früher auf Verlangen) |
| Genesungsförderung | Nichts tun, was Genesung verzögert |
| Erreichbarkeit | Für Rückfragen erreichbar sein |
Rechte des Arbeitgebers
| Recht | Einschränkung |
|---|---|
| Frühere AU verlangen | Ab dem 1. Tag möglich |
| eAU abrufen | Erst nach Arztbesuch |
| Krankenrückkehrgespräch | Nicht verpflichtend für Mitarbeiter |
| Kündigung bei Krankheit | Nur unter engen Voraussetzungen |
Was Arbeitgeber nicht dürfen
- Diagnose erfragen (Datenschutz)
- Krankenbesuch ohne Einwilligung
- Kündigung wegen Krankheit (Ausnahmen)
- Urlaubssperre wegen Krankheitstagen
Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
Wann ist BEM erforderlich?
Bei mehr als 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit innerhalb von 12 Monaten:
- Zusammenhängende Krankheit
- Oder mehrere Kurzerkrankungen
- Verpflichtend anzubieten
Der BEM-Prozess
- Einladung: Schriftlich, mit Hinweis auf Freiwilligkeit
- Gespräch: Ursachen und Lösungen besprechen
- Maßnahmen: Arbeitsplatzanpassung, Wiedereingliederung
- Dokumentation: Ergebnisse festhalten
- Nachverfolgung: Wirksamkeit prüfen
Vorteile für Arbeitgeber
- Rechtssicherheit bei Kündigung
- Reduzierte Fehlzeiten
- Mitarbeiterbindung
- Vermeidung von Dauerkrankheit
Kennzahlen zur Krankenstatistik
Wichtige Metriken
| Kennzahl | Berechnung |
|---|---|
| Krankenquote | Krankheitstage / Sollarbeitstage × 100 |
| Durchschnittliche Krankheitsdauer | Krankheitstage / Anzahl Krankmeldungen |
| Häufigkeit | Anzahl Krankmeldungen / Mitarbeiter |
| Bradford-Faktor | S² × D (S=Fälle, D=Tage) |
Benchmarks
Orientierungswerte für Deutschland:
- Durchschnittliche Krankenquote: ca. 5-6%
- Durchschnittliche Krankheitstage: ca. 15-20/Jahr
- Variiert stark nach Branche
Häufige Fragen zur Krankmeldung
Fazit
Ein klarer Krankmeldungsprozess schützt beide Seiten: Mitarbeiter wissen, was zu tun ist, und Arbeitgeber haben Rechtssicherheit. Mit digitalen Tools und der eAU wird die Verwaltung deutlich einfacher. Wichtig bleibt eine vertrauensvolle Unternehmenskultur, die Krankmeldungen weder erschwert noch missbraucht.
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