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Zeiterfassung im Call Center

Zeiterfassung für Call Center und Kundenservice: Schichtplanung, Pausenmanagement und Leistungsmessung. Was Contact Center beachten müssen.

6 Min. Lesezeit
Call Center Mitarbeiter mit Headset

Zeiterfassung im Call Center

Call Center und Contact Center haben besondere Anforderungen: Schwankendes Anrufaufkommen, strenge Pausenregelungen und Service-Level-Vorgaben. Die Zeiterfassung muss flexibel und präzise sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwankendes Anrufaufkommen erfordert flexible Schichtplanung
  • Pausen müssen genau erfasst werden (Bildschirmarbeit!)
  • Integration mit ACD-System sinnvoll
  • Datenschutz bei Leistungsüberwachung beachten
  • Arbeitszeitgesetz gilt auch für Call Center

Besonderheiten im Call Center

Servicezeiten vs. Arbeitszeit

Servicezeiten:

  • Wann ist das Call Center erreichbar?
  • Oft erweiterte Zeiten (7-22 Uhr oder länger)
  • Teils 24/7

Arbeitszeit:

  • Wann arbeiten die einzelnen Mitarbeiter?
  • Schichtplanung nach Bedarf
  • Teilzeit häufig

Anrufvolumen

Schwankend:

  • Stoßzeiten (morgens, Montag)
  • Ruhige Zeiten (Mittag, Freitagnachmittag)
  • Saisonale Unterschiede

Auswirkung: Personalplanung muss dem Anrufvolumen folgen.

Bildschirmarbeitsplatz

Besondere Anforderungen:

  • Bildschirmarbeitsverordnung
  • Regelmäßige Pausen wichtig
  • Ergonomie beachten

Schichtplanung im Call Center

Bedarfsgerechte Planung

Forecast:

  1. Historische Anrufdaten analysieren
  2. Anrufvolumen prognostizieren
  3. Benötigtes Personal berechnen
  4. Schichten planen

Zeiterfassung liefert: Ist-Daten für bessere Prognosen.

Typische Schichtmuster

SchichtZeitZweck
Früh7:00-15:00Kernzeit
Spät14:00-22:00Abendabdeckung
Split9:00-13:00 + 17:00-21:00Stoßzeiten
Kurz10:00-14:00Mittagspeak

Flexible Arbeitszeiten

Modelle:

  • Gleitzeit mit Kernzeit
  • Abrufarbeit
  • Minijobs für Peaks
  • Studierende für Randzeiten

Tipp

Eine gute Workforce-Management-Software berechnet den Personalbedarf aus historischen Daten. Die Zeiterfassung liefert die Ist-Werte, die die Prognose verbessern.

Pausenmanagement

Gesetzliche Vorgaben

§ 4 ArbZG:

  • Bei 6-9 Stunden: 30 Minuten Pause
  • Über 9 Stunden: 45 Minuten Pause
  • Aufteilung in 15-Minuten-Blöcke möglich

Bildschirmarbeit

Bildschirmarbeitsverordnung:

  • Regelmäßige Kurzpausen
  • Oder Tätigkeitswechsel
  • Keine starren Vorgaben, aber Empfehlung: 5-10 Minuten pro Stunde

Pausensteuerung im Call Center

Herausforderung:

  • Nicht alle gleichzeitig Pause
  • Service-Level halten
  • Faire Verteilung

Lösung:

  • Pausenrotation
  • ACD-gesteuerte Pausenfreigabe
  • Oder manuelle Koordination

Zeiterfassung der Pausen

Erfassen:

  • Pause-Start und -Ende
  • Art der Pause (gesetzlich, Kurzpause)
  • Automatische Pausenabzüge prüfen

Integration mit ACD-Systemen

Was ist ACD?

Automatic Call Distribution: Verteilt eingehende Anrufe auf verfügbare Agents.

Statusarten

StatusBedeutungArbeitszeit?
BereitWartet auf AnrufJa
Im GesprächTelefoniertJa
NacharbeitDokumentationJa
PauseGesetzliche PauseNein
KurzpauseBildschirmpauseJe nach Regelung
AbgemeldetNicht verfügbarNein

Integration

Vorteile:

  • Automatische Zeiterfassung aus ACD-Status
  • Detaillierte Statusauswertung
  • Keine Doppelerfassung

Achtung:

  • Datenschutz beachten
  • Leistungsüberwachung mitbestimmen
  • Betriebsrat einbinden

Datenschutz und Mitbestimmung

Leistungsüberwachung

Problembereich: Call Center-Systeme können sehr detailliert überwachen:

  • Gesprächsdauer
  • Nacharbeitszeit
  • Pausenverhalten
  • Erreichbarkeit

Betriebsrat

§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG: Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen zur Überwachung.

Betriebsvereinbarung sollte regeln:

  • Welche Daten werden erfasst?
  • Wer hat Zugriff?
  • Wie werden Daten ausgewertet?
  • Verwendung für Leistungsbeurteilung?

Zeiterfassung vs. ACD-Daten

Unterscheiden:

  • Zeiterfassung: Arbeitszeit für Lohnabrechnung
  • ACD-Daten: Operative Steuerung

Empfehlung: Zeiterfassung nicht für individuelle Leistungsbewertung nutzen.

Hinweis

Die Grenze zwischen legitimer Personalplanung und unzulässiger Überwachung ist fein. Betriebsvereinbarungen schaffen Klarheit und schützen beide Seiten.

Homeoffice und Remote-Arbeit

Trend zu Remote-Call-Center

Vorteile:

  • Größerer Talentpool
  • Flexibilität für Mitarbeiter
  • Kostenersparnis Bürofläche

Zeiterfassung im Homeoffice

Optionen:

  • Desktop-App mit Login/Logout
  • Web-Zeiterfassung
  • ACD-Integration (Login = Arbeitsbeginn)

Herausforderungen

Zu klären:

  • Vertrauen vs. Kontrolle
  • Technische Voraussetzungen
  • Pauseneinhaltung

Teilzeit und Minijobs

Häufig im Call Center

Warum:

  • Flexibilität bei Peaks
  • Studierende, Eltern
  • Kostenstruktur

Zeiterfassung bei Teilzeit

Wichtig:

  • Soll-Stunden korrekt hinterlegen
  • Überstunden erkennen
  • Minijob-Grenze beachten

Abrufarbeit

§ 12 TzBfG:

  • Mindestarbeitszeit vereinbaren
  • Abruf mindestens 4 Tage vorher
  • Mindestdauer pro Einsatz: 3 Stunden

Kennzahlen und Auswertungen

Operative Kennzahlen

Aus Zeiterfassung:

  • Anwesenheitsquote
  • Pausenquote
  • Überstundenquote
  • Krankenquote

Service-Kennzahlen

Aus ACD (nicht Zeiterfassung):

  • Service-Level
  • Erreichbarkeit
  • Durchschnittliche Gesprächsdauer

Personalplanung

Kombination:

  • Forecast + tatsächliches Personal
  • Über-/Unterbesetzung erkennen
  • Planung optimieren

Hardware im Call Center

Stationäre Terminals

Platzierung:

  • Eingangsbereich
  • Oder auf dem Weg zum Arbeitsplatz

Vorteile:

  • Einfache Bedienung
  • Keine zusätzliche Software am Arbeitsplatz

PC-basierte Erfassung

Softwarelösung:

  • Login am PC = Arbeitsbeginn
  • Oder separate Zeiterfassungs-App
  • Integration mit ACD möglich

Vorteile:

  • Keine zusätzliche Hardware
  • Automatisierung möglich

Empfehlung

Für Call Center: PC-basierte Lösung oder ACD-Integration, ergänzt durch manuelle Korrekturmöglichkeit.

Outsourcing und externe Dienstleister

Wenn Sie Auftraggeber sind

Nachweispflichten:

  • Mindestlohn-Nachweis
  • Arbeitszeitdokumentation verlangen
  • Vertraglich absichern

Wenn Sie Dienstleister sind

Dokumentation für Auftraggeber:

  • Leistungsnachweis
  • Personalbesetzung
  • Service-Level-Einhaltung

Häufige Fragen zur Zeiterfassung im Call Center

Ja, viele Call Center integrieren Zeiterfassung mit dem ACD-System. Der Login im Telefonsystem wird als Arbeitsbeginn gewertet. Beachten Sie aber Datenschutz und Mitbestimmung – die detaillierte Statuserfassung ist sensitiv.
Das hängt von der Regelung ab. Wenn Kurzpausen als Arbeitszeit gelten (Empfehlung), müssen sie nicht separat erfasst werden. Wenn sie abgezogen werden, sollte das System sie erfassen. Die Bildschirmarbeitsverordnung empfiehlt regelmäßige kurze Unterbrechungen.
Das ist heikel und sollte in einer Betriebsvereinbarung geregelt sein. Reine Anwesenheitsdaten für die Lohnabrechnung sind unproblematisch. Die Nutzung von Statuszeiten (Nacharbeit, Pausen) für individuelle Leistungsbewertung ist mitbestimmungspflichtig.
Split-Schichten (z.B. 9-13 Uhr und 17-21 Uhr) werden als zwei Arbeitsblöcke erfasst. Die unbezahlte Zeit dazwischen ist keine Pause, sondern Freizeit. Das System muss beide Blöcke zur Gesamtarbeitszeit addieren und Pausenregeln pro Block prüfen.

Fazit

Zeiterfassung im Call Center muss mit schwankendem Anrufvolumen, präzisem Pausenmanagement und sensiblen Überwachungsthemen umgehen. Die Integration mit ACD-Systemen bietet Vorteile, erfordert aber klare Datenschutzregelungen. Betriebsvereinbarungen schaffen Transparenz und Vertrauen. Ein gutes System unterstützt die flexible Personalplanung und liefert gleichzeitig rechtssichere Arbeitszeitnachweise.

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