Zeiterfassung für Rechtsanwälte und Steuerberater
In Kanzleien ist Zeit Geld – im wörtlichen Sinn. Ob Stundenabrechnung oder Pauschalhonorar: Nur wer die aufgewendete Zeit kennt, kann profitabel arbeiten und fair abrechnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zeiterfassung ist für Kanzleien geschäftsrelevant, nicht nur Compliance
- Mandanten- und Fallzuordnung ermöglicht genaue Abrechnung
- Tätigkeitsbeschreibungen sind für Honorarnoten wichtig
- Mobile Erfassung spart Zeit bei Gerichtsterminen und Außenterminen
- Integration mit Kanzleisoftware vermeidet Doppelarbeit
Warum Zeiterfassung in der Kanzlei?
Abrechnungsgrundlage
Stundenhonorar: Die erfassten Stunden sind direkt abrechnungsrelevant.
Pauschalhonorar: Auch hier ist die Zeiterfassung wichtig:
- Nachkalkulation (war das Mandat profitabel?)
- Pauschalen für zukünftige Mandate besser kalkulieren
- Überschreitungen erkennen
Profitabilitätsanalyse
Auswertungen:
- Welche Mandate sind profitabel?
- Welche Tätigkeiten kosten zu viel Zeit?
- Wie hoch ist die fakturierbare Quote?
Compliance
Auch für Kanzleien gilt:
- Zeiterfassungspflicht nach BAG-Urteil
- Arbeitszeitgesetz (für angestellte Anwälte)
- Dokumentationspflicht
Besonderheiten in Kanzleien
Mandanten- und Fallstruktur
Typische Hierarchie:
- Mandat/Akte (z.B. Markenrechtsstreit) – Teilaufgabe (z.B. Schriftsatz)
Tätigkeitskategorien
Typische Kategorien:
- Beratung
- Schriftsätze verfassen
- Korrespondenz
- Gerichtstermine
- Recherche
- Besprechungen
- Reisezeit
Abrechenbare vs. nicht-abrechenbare Zeit
Abrechenbar:
- Mandatsarbeit
- Gerichtstermine
- Beratungsgespräche
Nicht abrechenbar:
- Akquise
- Weiterbildung
- Kanzleiverwaltung
- Mitarbeiterbesprechungen
Tipp
Erfassen Sie auch nicht-abrechenbare Zeit. So sehen Sie, wie viel Ihrer Kapazität tatsächlich in fakturierbare Arbeit fließt.
Zeiterfassung für verschiedene Rollen
Anwälte/Steuerberater
Anforderungen:
- Mandantenzuordnung
- Tätigkeitsbeschreibung (für Honorarnote)
- Mobile Erfassung (Außentermine)
- Schnelle Eingabe
Praxis: Erfassung oft per Timer, der nach Tätigkeitswechsel gestoppt wird.
Rechtsanwaltsfachangestellte/Steuerfachangestellte
Anforderungen:
- Mandantenzuordnung
- Tätigkeitskategorien
- Normale Zeiterfassung (Kommen/Gehen)
Praxis: Kombination aus Projektzeiterfassung (Mandate) und normaler Arbeitszeit.
Referendare/Praktikanten
Anforderungen:
- Ausbildungsnachweis
- Mandatsbezogene Erfassung
- Stundenbegrenzungen beachten
Technische Umsetzung
Anforderungen an die Software
Muss-Kriterien: ☐ Mandanten- und Aktenstruktur ☐ Tätigkeitsbeschreibung (Freitext oder Kategorien) ☐ Timer-Funktion ☐ Mobile App ☐ Honorarnoten-Export ☐ Auswertungen nach Mandanten
Kann-Kriterien: ☐ Integration mit Kanzleisoftware (RA-MICRO, DATEV, etc.) ☐ Automatische Abrechnung ☐ Budgetüberwachung pro Mandat ☐ Konfliktprüfung
Timer vs. manuelle Eingabe
Timer:
- Genauer
- Weniger Schätzungen
- Braucht Disziplin beim Wechsel
Manuelle Eingabe:
- Nachträgliche Erfassung möglich
- Weniger Unterbrechung im Workflow
- Ungenauer
Empfehlung: Timer für konzentrierte Mandatsarbeit, manuelle Eingabe für kurze Tätigkeiten.
Integration mit Kanzleisoftware
Möglichkeiten:
- Direkte Integration (Zeiten fließen in Honorarnote)
- Export/Import (CSV, Excel)
- API-Schnittstellen
Gängige Systeme:
- RA-MICRO
- AnNoText
- DATEV (Steuerberater)
- Lexware
- Advokat
Hinweis
Prüfen Sie vor der Anschaffung, ob die Zeiterfassungssoftware mit Ihrer Kanzleisoftware kompatibel ist. Integration spart erheblich Zeit bei der Abrechnung.
Erfassung typischer Tätigkeiten
Mandantengespräch
Erfassen:
- Start/Ende
- Mandant/Akte
- Kategorie: Beratung
- Kurze Beschreibung
Beispiel:
10:00-11:15 | Müller GmbH / Markenstreit
Beratung | Besprechung zur Klageerwiderung
Schriftsatz verfassen
Erfassen:
- Zeitraum (Timer empfohlen)
- Mandant/Akte
- Kategorie: Schriftsatz
- Was wurde verfasst
Gerichtstermin
Erfassen:
- Gesamtzeit (inkl. Wartezeit)
- Reisezeit separat
- Mandant/Akte
- Ergebnis kurz notieren
Telefonat
Erfassen:
- Dauer (oft in 6-Minuten-Einheiten)
- Mandant
- Ansprechpartner
- Thema
Abrechnungspraktiken
6-Minuten-Taktung
Prinzip: Zeit wird in Zehntelstunden (6 Minuten) abgerechnet.
Umrechnung:
- 6 Min. = 0,1 Std.
- 12 Min. = 0,2 Std.
- 30 Min. = 0,5 Std.
Vorteil: Auch kurze Tätigkeiten (Telefonat) werden erfasst.
Pauschalbeträge
Bei Standardtätigkeiten:
- Telefoneinheit: 0,25 Std.
- E-Mail: 0,1 Std.
- Briefentwurf: Je nach Umfang
Honorarnote
Inhalt:
- Datum der Tätigkeit
- Beschreibung
- Zeitaufwand
- Stundensatz
- Summe
Aus Zeiterfassung generieren: Export der erfassten Zeiten, formatiert als Honorarnote.
Kennzahlen für Kanzleien
Fakturierbare Quote
Formel:
Quote = Abrechenbare Stunden / Gesamtstunden × 100%
Zielwerte:
- Anwälte: 60-80%
- Partner: 50-70% (mehr Akquise)
- Angestellte Anwälte: 70-80%
Realisierungsquote
Formel:
Realisierung = Abgerechnete Stunden / Erfasste Stunden × 100%
Bedeutung: Wie viel der geleisteten Zeit wird tatsächlich in Rechnung gestellt?
Profitabilität pro Mandant
Formel:
Profitabilität = Honorar - (Stunden × Kostensatz)
Häufige Fragen zur Kanzlei-Zeiterfassung
Fazit
Zeiterfassung ist für Kanzleien doppelt wichtig: als Abrechnungsgrundlage und für die Profitabilitätsanalyse. Eine gute Lösung ermöglicht mandantenbezogene Erfassung, Tätigkeitsbeschreibungen und Integration mit der Kanzleisoftware. Investieren Sie in eine Lösung, die zu Ihrem Workflow passt – die Zeit dafür holen Sie schnell wieder rein.
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