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Pausen erfassen: Automatisch oder manuell?

Pausen erfassen in der Zeiterfassung: Vor- und Nachteile automatischer vs. manueller Pausenerfassung und was rechtlich gilt.

6 Min. Lesezeit
Mitarbeiter macht Pause am Arbeitsplatz

Pausen erfassen: Automatisch oder manuell?

Die Pausenerfassung ist ein zentraler Bestandteil der Arbeitszeitdokumentation. Dabei stehen zwei grundlegende Ansätze zur Wahl: automatischer Abzug oder manuelle Erfassung. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile – die richtige Wahl hängt von der Unternehmensstruktur und den Arbeitsabläufen ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pausen müssen laut Arbeitszeitgesetz eingehalten und dokumentiert werden
  • Automatische Pausenabzüge sind einfacher, aber weniger genau
  • Manuelle Erfassung zeigt die tatsächlichen Pausenzeiten
  • Die Methode sollte zum Arbeitsumfeld und zur Unternehmenskultur passen
  • Kombinierte Ansätze bieten oft den besten Kompromiss

Rechtliche Grundlagen

Pausenpflicht nach Arbeitszeitgesetz

Das Arbeitszeitgesetz schreibt Mindestpausen vor:

ArbeitszeitMindestpause
Bis 6 StundenKeine Pflichtpause
Über 6 bis 9 Stunden30 Minuten
Über 9 Stunden45 Minuten

Die Pausenregelung muss eingehalten und dokumentiert werden.

Dokumentationspflicht

Die Zeiterfassung muss nachweisen:

  • Dass Pausen genommen wurden
  • Dass die Mindestpausenzeit eingehalten wurde
  • Wann die Pausen stattfanden (bei manuellem Stempeln)

Verantwortung des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber ist verpflichtet:

  • Pausen zu gewähren
  • Die Einhaltung zu kontrollieren
  • Die Dokumentation sicherzustellen

Automatische Pausenerfassung

Wie funktioniert sie?

Bei der automatischen Pausenerfassung zieht das System Pausen nach definierten Regeln ab:

Beispielkonfiguration:

  • Bei Arbeitszeit > 6 Stunden: 30 Minuten Abzug
  • Bei Arbeitszeit > 9 Stunden: 45 Minuten Abzug
  • Abzug erfolgt nach 6 bzw. 9 Stunden Arbeitszeit

Vorteile

  • Einfachheit: Kein zusätzlicher Stempelvorgang nötig
  • Compliance: Mindestpausen werden immer dokumentiert
  • Weniger Vergessen: Pausenerfassung kann nicht vergessen werden
  • Geringerer Aufwand: Keine nachträglichen Korrekturen wegen vergessener Pausen

Nachteile

  • Ungenauigkeit: Tatsächliche Pausendauer kann abweichen
  • Unfairness: Wer weniger Pause macht, wird benachteiligt
  • Keine echte Kontrolle: Ob Pausen wirklich genommen werden, ist unklar
  • Inflexibilität: Individuelle Pausengewohnheiten werden nicht berücksichtigt

Pausenerfassung leicht gemacht

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Manuelle Pausenerfassung

Wie funktioniert sie?

Mitarbeiter stempeln Ein und Aus für Pausen:

  • Pausenbeginn: Ausstempeln
  • Pausenende: Wiedereinstempeln

Die tatsächliche Pausendauer wird erfasst.

Vorteile

  • Genauigkeit: Tatsächliche Pausenzeiten werden dokumentiert
  • Fairness: Jeder wird für seine tatsächliche Arbeitszeit erfasst
  • Transparenz: Arbeitgeber sieht, wann Pausen genommen werden
  • Flexibilität: Unterschiedliche Pausengewohnheiten werden abgebildet

Nachteile

  • Aufwand: Zusätzlicher Stempelvorgang nötig
  • Vergessen: Mitarbeiter vergessen Ein- oder Ausstempeln
  • Korrekturaufwand: Fehlerhafte Buchungen müssen korrigiert werden
  • Compliance-Risiko: Bei vergessenen Pausen fehlt der Nachweis

Kombinierte Ansätze

Automatisch mit manuellem Override

Das System zieht automatisch ab, aber:

  • Mitarbeiter können Pausen manuell stempeln
  • Gestempelte Pausen überschreiben den Automatikabzug
  • Wurde nicht gestempelt, greift der Mindestabzug

Mindestpause mit Echterfassung

  • Manuelle Erfassung ist Standard
  • System prüft auf Mindestpausenzeit
  • Warnung, wenn Mindestpause nicht erreicht
  • Automatische Auffüllung auf Minimum möglich

Gleitende Pausenfenster

  • Definiertes Zeitfenster für Pausen (z.B. 12-14 Uhr)
  • Arbeitszeit in diesem Fenster wird als Pause gewertet
  • Kombination aus Automatik und Flexibilität

Faktoren für die Entscheidung

Branche und Arbeitsumfeld

UmfeldEmpfehlung
Büro mit festen PausenzeitenAutomatisch oder kombiniert
Produktion mit SchichtarbeitManuell (genaue Dokumentation)
AußendienstAutomatisch (vereinfacht)
EinzelhandelManuell (variable Pausenzeiten)
Remote WorkVertrauensbasiert mit Mindestabzug

Unternehmenskultur

  • Vertrauenskultur: Automatisch mit optionalem Override
  • Kontrollorientiert: Manuelle Erfassung
  • Flexibel: Kombinierter Ansatz

Technische Möglichkeiten

  • Mobile Erfassung: Macht manuelles Stempeln einfacher
  • Stationäre Terminals: Gut für manuelle Erfassung
  • Nur Web-/PC-Erfassung: Automatisch oft praktischer

Implementierung

Automatische Pausenerfassung einrichten

Konfigurationsparameter:

  • Schwellenwerte für Pausenabzug (6h, 9h)
  • Pausendauer pro Schwelle (30 Min, 45 Min)
  • Zeitpunkt des Abzugs (nach x Stunden, feste Uhrzeit)
  • Ausnahmen (bestimmte Mitarbeitergruppen)

Manuelle Erfassung einführen

Schulungsinhalte für Mitarbeiter:

  • Wann und wie Pausen stempeln
  • Was tun bei vergessenem Stempeln
  • Wo Korrekturen beantragen
  • Mindestpausenregeln erklären

Mitarbeiter informieren

Kommunikation zur Pausenerfassung:

  • Welche Methode gilt
  • Warum wurde sie gewählt
  • Welche Pflichten haben Mitarbeiter
  • Wie werden Korrekturen gehandhabt

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Typische Probleme lösen

Vergessenes Pausenstempeln

Lösungsansätze:

  • Erinnerungsfunktion im System
  • Automatische Nachfrage beim Ausstempeln
  • Kulanzregelung für gelegentliches Vergessen
  • Korrekturworkflow mit Genehmigung

Pausenzeit unterschritten

Bei automatischer Erfassung: System zieht Mindestpause ab – Mitarbeiter hat weniger Arbeitszeit.

Bei manueller Erfassung: System warnt und fordert Korrektur oder Bestätigung.

Längere Pausen als gewünscht

Problem: Mitarbeiter macht längere Pause als vorgesehen.

Lösung:

  • Klare Pausenregelung kommunizieren
  • Bei wiederholtem Verstoß: Gespräch
  • System kann Warnungen ausgeben

Besondere Situationen

Raucherpausen

Raucherpausen sind keine Pflichtpausen und sollten:

  • Separat erfasst werden
  • Von der Arbeitszeit abgezogen werden
  • Klar geregelt sein

Bildschirmpausen

Kurze Bildschirmpausen (Augenentlastung):

  • Sind keine Ruhepausen im Sinne des ArbZG
  • Müssen nicht gesondert erfasst werden
  • Gelten als Arbeitszeit

Rufbereitschaft in der Pause

Wenn Mitarbeiter in der Pause erreichbar sein müssen:

  • Ist es möglicherweise keine echte Pause
  • Sollte dokumentiert werden
  • Rechtliche Klärung im Einzelfall nötig

Häufige Fragen

Ja, automatische Pausenabzüge sind zulässig, wenn sie mindestens den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und die Mitarbeiter informiert sind. Wichtig ist, dass die Regelung transparent kommuniziert wird und Mitarbeiter bei tatsächlich kürzeren Pausen einen Korrekturanspruch haben.
Bei manueller Erfassung fehlt dann der Pausennachweis. Je nach System wird eine Mindestpause automatisch abgezogen oder eine Korrektur erforderlich. Wichtig: Die Pause muss trotzdem genommen werden – die Stempelung dient nur der Dokumentation.
Ja, Ruhepausen können in Abschnitte von mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Bei manueller Erfassung müssen alle Teile gestempelt werden, bei automatischem Abzug wird die Gesamtpause am Stück abgezogen.
Nein, während der Pause dürfen Mitarbeiter den Arbeitsplatz verlassen. Wenn dies nicht erlaubt ist und Erreichbarkeit erwartet wird, handelt es sich möglicherweise nicht um eine echte Pause im Sinne des Arbeitszeitgesetzes.
Sehr kurze Pausen (unter 15 Minuten) können nicht auf die Mindestpause angerechnet werden. Bei manueller Erfassung sollten sie trotzdem dokumentiert werden; bei automatischem Abzug werden sie in der Regel nicht berücksichtigt.

Fazit

Die Wahl zwischen automatischer und manueller Pausenerfassung hängt von vielen Faktoren ab. Automatische Abzüge sind einfacher und garantieren die Dokumentation der Mindestpause, bilden aber nicht die Realität ab. Manuelle Erfassung ist genauer, erfordert aber mehr Disziplin. Kombinierte Ansätze bieten oft den besten Kompromiss: Sie vereinen die Sicherheit automatischer Mindestabzüge mit der Flexibilität manueller Korrekturen.

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