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Personalbedarfsplanung: Kennzahlen und Methoden

Personalbedarf richtig berechnen: Welche Kennzahlen wichtig sind und wie Sie optimal planen.

5 Min. Lesezeit
Personalplanung mit Kennzahlen

Personalbedarfsplanung: Kennzahlen und Methoden

Wie viel Personal brauchen Sie wirklich? Methoden für die richtige Bedarfsplanung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Personalbedarf systematisch ermitteln
  • Brutto- vs. Nettobedarf unterscheiden
  • Saisonale Schwankungen berücksichtigen
  • Kennzahlen für Auslastung nutzen
  • Puffer für Ausfälle einplanen

Grundlagen der Bedarfsplanung

Warum Bedarfsplanung wichtig ist

Die Konsequenzen:

SituationProblem
Zu wenig PersonalÜberlastung, Qualitätsverlust
Zu viel PersonalUnnötige Kosten
Falsche VerteilungEngpässe trotz genug Köpfen
Keine PlanungReaktiv statt proaktiv

Planungsebenen

Zeitliche Horizonte:

  • Strategisch (1-5 Jahre) – Langfristige Personalentwicklung
  • Taktisch (1 Jahr) – Jahresplanung, Budget
  • Operativ (Wochen/Monate) – Schicht- und Einsatzplanung
  • Kurzfristig (Tage) – Reaktion auf Ausfälle

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Brutto- vs. Nettobedarf

Der Unterschied

Zwei Perspektiven:

ArtDefinition
NettobedarfStunden, die gearbeitet werden müssen
BruttobedarfPersonal, das angestellt sein muss
DifferenzAusfallzeiten (Urlaub, Krankheit)

Berechnung

So rechnen Sie:

  • Nettobedarf – Arbeitsstunden pro Periode
  • + Urlaubstage – ~30 Tage/Jahr = ~12%
  • + Krankheitstage – ~10-15 Tage/Jahr = ~5%
  • + Feiertage – ~10-12 Tage/Jahr = ~4%
  • + Weiterbildung – ~5 Tage/Jahr = ~2%
  • = Bruttobedarf – ~23% mehr als Nettobedarf

Rechenbeispiel

Konkret:

SchrittWert
Nettobedarf1.000h/Monat
Ausfallquote~23%
Bruttobedarf~1.300h/Monat
Bei 160h/Vollzeit~8,1 VZÄ

Wichtige Kennzahlen

Auslastungskennzahlen

Was messen:

KennzahlBerechnung
AuslastungsgradIst-Stunden / Soll-Stunden
ProduktivitätOutput / Arbeitsstunden
ÜberstundenquoteÜberstunden / Gesamtstunden
KrankenquoteKrankheitstage / Arbeitstage

Kapazitätskennzahlen

Verfügbarkeit messen:

  • Verfügbare Kapazität – Personalbestand × Arbeitszeit
  • Genutzte Kapazität – Tatsächlich geleistete Stunden
  • Reserve – Verfügbar - Genutzt
  • Engpassquote – Perioden mit Unterbesetzung
  • Überbesetzungsquote – Perioden mit zu viel Personal

Kennzahlen im Blick

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Methoden der Bedarfsermittlung

Quantitative Methoden

Zahlenbasiert:

MethodeAnwendung
TrendextrapolationAus Vergangenheit hochrechnen
KennzahlenmethodeStunden pro Einheit (Umsatz, Produkt)
ArbeitsstudienZeitaufnahme für Tätigkeiten
StellenplanmethodeAufgaben → Stellen ableiten

Qualitative Methoden

Erfahrungsbasiert:

  • Managementschätzung – Erfahrungswerte Führungskräfte
  • Delphi-Methode – Mehrere Experten befragen
  • Mitarbeiterbefragung – Team nach Einschätzung fragen
  • Analogiemethode – Von vergleichbaren Bereichen ableiten

Saisonale Schwankungen

Muster erkennen

Typische Schwankungen:

BrancheHochsaison
EinzelhandelQ4 (Weihnachten)
GastronomieSommer, Feiertage
SteuerberaterQ1 (Jahresabschlüsse)
LogistikVorweihnachtszeit

Planung anpassen

So reagieren:

  • Analyse – Historische Daten auswerten
  • Prognose – Bedarf pro Monat schätzen
  • Flexibilität – Arbeitszeitkonten
  • Teilzeitkräfte variabel
  • Aushilfen einplanen
  • Urlaub – In schwache Phasen legen
  • Überstunden – Für Spitzen einplanen

Praktische Umsetzung

Schritt für Schritt

Vorgehen:

SchrittAktion
1. AnalyseBisherige Daten sammeln
2. PrognoseZukünftigen Bedarf schätzen
3. BestandAktuelle Kapazität ermitteln
4. AbgleichBedarf vs. Bestand
5. MaßnahmenÜber-/Unterdeckung adressieren

Datenquellen nutzen

Wo Informationen finden:

  • Zeiterfassung – Ist-Stunden, Ausfälle
  • Lohnbuchhaltung – Personalkosten
  • ERP/Warenwirtschaft – Umsatz, Aufträge
  • Dienstplanung – Besetzung, Engpässe
  • Krankenstatistik – Ausfallquoten

Puffer einplanen

Warum Puffer wichtig sind

Risiken abfedern:

RisikoHäufigkeit
KrankheitTäglich möglich
KündigungPlötzlich
AuftragsspitzeUnerwartet
SonderaufgabenRegelmäßig

Wie viel Puffer

Empfehlungen:

  • Grundpuffer – 5-10% auf Nettobedarf
  • Saisonpuffer – Zusätzlich in Hochphasen
  • Branchenabhängig – Pflege: Höher (strenge Besetzung)
  • Büro: Niedriger (flexibler)
  • Produktion: Mittel
  • Erfahrungswert – Aus eigener Historie ableiten

Häufige Fragen

Nutzen Sie die Analogiemethode: Vergleichen Sie mit ähnlichen bestehenden Standorten. Ermitteln Sie dort die Kennzahlen (Stunden pro Umsatz, pro Kunde, etc.) und übertragen Sie diese auf die Prognose des neuen Standorts. Planen Sie in der Startphase etwas mehr ein.
Die strategische Planung jährlich, die operative monatlich oder quartalsweise. Bei starken Veränderungen (neue Aufträge, Kündigungen) sofort anpassen. Regelmäßiger Soll-Ist-Vergleich deckt Abweichungen früh auf.
Optionen: Überstunden (kurzfristig), Leiharbeit, Aushilfen, Prozesse optimieren um Nettobedarf zu senken, oder Aufträge/Öffnungszeiten anpassen. Langfristig: Recruiting intensivieren, Arbeitgeberattraktivität steigern.
Rechnen Sie in Vollzeitäquivalenten (VZÄ). Eine halbe Stelle = 0,5 VZÄ. Das macht die Kapazität vergleichbar. Beachten Sie aber, dass Teilzeit-Flexibilität (Aufstockung bei Bedarf) ein Planungsvorteil sein kann.
Durchschnitt in Deutschland: 5-6% Krankenstand, plus ~12% Urlaub, plus Feiertage und Weiterbildung. Insgesamt ~20-25% Ausfallquote. Ihre eigene historische Quote ist der beste Richtwert – erfassen Sie diese sorgfältig.

Fazit

Die Personalbedarfsplanung ist die Grundlage für gute Dienstplanung. Unterscheiden Sie Brutto- und Nettobedarf, berücksichtigen Sie Ausfälle und saisonale Schwankungen. Kennzahlen wie Auslastungsgrad und Krankenquote helfen bei der Steuerung. Planen Sie Puffer ein und aktualisieren Sie die Planung regelmäßig. Eine gute Zeiterfassung liefert die Datenbasis für fundierte Personalentscheidungen.

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