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Arbeitszeitkonto führen: Regeln und Tipps

Arbeitszeitkonto richtig führen: Rechtliche Grundlagen, Obergrenzen und praktische Tipps für Plus- und Minusstunden.

6 Min. Lesezeit
Arbeitszeitkonto mit Plus- und Minusstunden

Arbeitszeitkonto führen: Regeln und Tipps

Ein Arbeitszeitkonto sammelt Plus- und Minusstunden über einen längeren Zeitraum. Mitarbeiter können so flexibler arbeiten – mal mehr, mal weniger. Doch es gibt Regeln: Obergrenzen, Ausgleichsfristen und rechtliche Vorgaben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitszeitkonto ermöglicht flexible Arbeitszeit
  • Obergrenzen für Plus- und Minusstunden festlegen
  • Ausgleichszeitraum definieren (z.B. 12 Monate)
  • Arbeitszeitgesetz gilt weiterhin
  • Regelung in Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung

Was ist ein Arbeitszeitkonto?

Definition

Ein Arbeitszeitkonto ist ein Zeitguthaben-Konto:

BegriffBedeutung
Soll-ArbeitszeitVereinbarte Arbeitszeit (z.B. 40 h/Woche)
Ist-ArbeitszeitTatsächlich gearbeitete Zeit
PlusstundenIst > Soll (Guthaben)
MinusstundenIst < Soll (Schulden)

Abgrenzung

ArbeitszeitkontoÜberstunden
Flexibilität im RahmenAngeordnete Mehrarbeit
Ausgleich durch FreizeitVergütung oder Ausgleich
Innerhalb der Soll-ZeitÜber die Soll-Zeit hinaus

Beispiel

Mitarbeiter mit 40 h/Woche:

WocheGearbeitetDifferenzKonto
142 h+2 h+2 h
238 h-2 h0 h
345 h+5 h+5 h
435 h-5 h0 h

→ Über 4 Wochen ausgeglichen, durchschnittlich 40 h.

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Rechtliche Grundlagen

Gesetzliche Vorgaben

Das Arbeitszeitgesetz gilt auch bei Arbeitszeitkonten:

  • Max. 10 Stunden täglich (Ausnahme mit Ausgleich)
  • Max. 48 Stunden wöchentlich im 6-Monats-Durchschnitt
  • Ruhezeiten einhalten

Vereinbarung erforderlich

Arbeitszeitkonten müssen geregelt sein:

RegelungsortInhalt
ArbeitsvertragIndividuelle Vereinbarung
TarifvertragBranchenweite Regelung
BetriebsvereinbarungMit Betriebsrat

Wichtige Regelungspunkte

Eine Arbeitszeitkonto-Regelung sollte enthalten:

  • Obergrenzen (Plus und Minus)
  • Ausgleichszeitraum
  • Verfallregelungen
  • Was passiert bei Kündigung?

Obergrenzen festlegen

Plusstunden-Grenze

Typische Regelungen:

GrenzeBedeutung
+40 hHäufig in Unternehmen
+100 hFür größere Schwankungen
+200 hLangzeitkonten

Bei Überschreitung: Auszahlung, Gleittage, oder kein weiterer Aufbau

Minusstunden-Grenze

Typische Regelungen:

GrenzeBedeutung
-10 hKonservativ
-20 hMittlere Flexibilität
-40 hFür Saisonbetriebe

Bei Überschreitung: Abzug vom Gehalt, Urlaubsanrechnung, oder Gespräch

Beispiel-Regelung

  • Obergrenze: +50 Stunden
  • Untergrenze: -20 Stunden
  • Ausgleichszeitraum: 12 Monate
  • Bei Kündigung: Auszahlung/Abzug

Ausgleichszeitraum

Definition

Der Zeitraum, in dem das Konto ausgeglichen werden soll:

ZeitraumAnwendung
MonatlichSehr kurz, wenig Flexibilität
QuartalsweiseMittlere Flexibilität
JährlichGute Flexibilität
LangzeitkontoÜber Jahre (z.B. für Sabbatical)

Ausgleichspflicht

Am Ende des Ausgleichszeitraums:

  • Plusstunden: Verfallen oft (wenn nicht genommen)
  • Minusstunden: Können vom Gehalt abgezogen werden
  • Übertrag: Je nach Regelung möglich

Arbeitgeber-Risiko bei Minusstunden

Vorsicht bei Minusstunden:

  • Bei Kündigung durch Arbeitgeber: Abzug problematisch
  • Bei Kündigung durch Arbeitnehmer: Abzug möglich
  • Im Zweifel: Arbeitsrecht beachten

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Arbeitszeitkonto bei Kündigung

Plusstunden

Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses:

  • Ideale: Freizeitausgleich während Kündigungsfrist
  • Alternativ: Auszahlung (Überstundenvergütung)
  • Verfall: Nur wenn vertraglich geregelt

Minusstunden

Differenzierter zu betrachten:

SituationRegelung
Kündigung durch ANAbzug vom letzten Gehalt möglich
Kündigung durch AGAbzug oft problematisch
AufhebungsvertragIndividuell regeln

Dokumentation wichtig

Bei Beendigung:

  • Aktuellen Kontostand festhalten
  • Schriftliche Vereinbarung über Ausgleich
  • Arbeitszeitnachweis aushändigen

Praktische Tipps

Für Arbeitgeber

  1. Klare Regelung: Schriftlich vereinbaren
  2. Obergrenzen: Nicht zu hoch ansetzen
  3. Monitoring: Kontostände regelmäßig prüfen
  4. Ansprechen: Bei Grenzüberschreitung reagieren
  5. Dokumentation: Alle Buchungen nachvollziehbar

Für Arbeitnehmer

  1. Überblick behalten: Kontostand kennen
  2. Ausgleich planen: Rechtzeitig Gleittage nehmen
  3. Grenzen beachten: Nicht zu viele Plusstunden ansammeln
  4. Bei Kündigung: Plusstunden vorher abbauen

Für HR

  1. System nutzen: Automatische Berechnung
  2. Berichte: Regelmäßige Auswertungen
  3. Warnung: Bei Grenzüberschreitung automatisch
  4. Jahresende: Übertrag oder Ausgleich managen

Sonderformen

Langzeitkonto (Wertguthaben)

Für langfristiges Ansparen:

  • Sabbatical, Altersteilzeit, Weiterbildung
  • Höhere Obergrenzen
  • Insolvenzschutz erforderlich
  • Sozialversicherungsrechtliche Besonderheiten

Lebensarbeitszeitkonto

Sparen für frühere Rente:

  • Sehr langfristiger Horizont
  • Strenge rechtliche Vorgaben
  • Wertguthaben nach SGB IV

Ampelkonto

Visuelle Darstellung:

  • Grün: Im Normalbereich
  • Gelb: Warnung (Grenzen nähern sich)
  • Rot: Überschreitung

Häufige Fragen

Das hängt von der Vereinbarung ab. Gesetzlich verfallen Überstunden nach 3 Jahren (Verjährung). Kürzere Verfallfristen müssen vertraglich geregelt sein und sind rechtlich an Grenzen gebunden. Arbeitgeber sollten aber dafür sorgen, dass Plusstunden rechtzeitig ausgeglichen werden.
Grundsätzlich ja, wenn es vertraglich geregelt ist und der Arbeitnehmer die Minusstunden zu vertreten hat. Bei Kündigung durch den Arbeitgeber ist ein Abzug problematisch, weil der Arbeitnehmer keine Möglichkeit mehr hatte, die Stunden auszugleichen.
Das ist vertraglich frei vereinbar. Üblich sind 40-100 Stunden. Bei sehr hohen Grenzen (über 150 Stunden) sprechen wir eher von Langzeitkonten, die besondere rechtliche Anforderungen haben (Insolvenzschutz).
Wenn Sie für einen Gleittag krank werden, bleibt der Gleittag bestehen – Sie bekommen den Tag nicht 'zurück'. Anders als bei Urlaub gibt es keine Gutschrift. Das sollte in der Arbeitszeitkonten-Regelung klargestellt sein.
Ja, unbedingt. Das Arbeitszeitkonto erlaubt Flexibilität, aber die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes (max. 10 Stunden täglich, Ruhezeiten) gelten weiterhin. Ein Arbeitszeitkonto darf nicht dazu missbraucht werden, diese Grenzen zu umgehen.

Fazit

Ein Arbeitszeitkonto schafft Flexibilität für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wichtig sind klare Regeln: Obergrenzen, Ausgleichszeiträume und Vereinbarungen für den Kündigungsfall. Mit einem guten Zeiterfassungssystem behalten alle den Überblick über das aktuelle Guthaben – und Überschreitungen werden rechtzeitig erkannt.

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