Arbeitsvertrag: Inhalt und Checkliste für Arbeitgeber
Der Arbeitsvertrag ist das Fundament des Arbeitsverhältnisses. Welche Inhalte sind Pflicht, was sollte geregelt sein, und worauf müssen Arbeitgeber achten?
Das Wichtigste in Kürze
- Das Nachweisgesetz schreibt seit 2022 erweiterte Pflichtangaben vor
- Der Arbeitsvertrag muss schriftlich ausgehändigt werden
- Verstöße können Bußgelder bis 2.000 € nach sich ziehen
- Ein vollständiger Vertrag vermeidet spätere Streitigkeiten
- Auch mündliche Vereinbarungen sind wirksam, aber schwer zu beweisen
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Gesetzliche Grundlagen
Nachweisgesetz (NachwG)
Seit August 2022 gelten erweiterte Pflichten:
Fristen:
- Wesentliche Bedingungen: Spätestens am ersten Arbeitstag
- Vollständiger Nachweis: Innerhalb von 7 Kalendertagen
- Verbleibende Angaben: Innerhalb eines Monats
Sanktionen: Bußgeld bis 2.000 € bei Verstößen.
Formvorschriften
Grundsatz: Arbeitsverträge können mündlich geschlossen werden.
Aber: Die Niederschrift der wesentlichen Vertragsbedingungen muss schriftlich erfolgen (§ 2 NachwG).
In der Praxis: Schließen Sie immer einen schriftlichen Arbeitsvertrag ab. Das schützt beide Seiten.
Pflichtangaben nach Nachweisgesetz
Vollständige Liste
| Nr. | Pflichtangabe | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | Name und Anschrift der Vertragsparteien | Firma, Mitarbeiter |
| 2 | Beginn des Arbeitsverhältnisses | 01.03.2026 |
| 3 | Bei Befristung: Enddatum oder Dauer | 28.02.2027 |
| 4 | Arbeitsort oder Hinweis auf wechselnde Orte | Musterstadt oder „verschiedene Orte" |
| 5 | Tätigkeitsbeschreibung | „Softwareentwickler" |
| 6 | Probezeit (falls vereinbart) | 6 Monate |
| 7 | Zusammensetzung und Höhe des Entgelts | 4.000 € brutto |
| 8 | Arbeitszeit | 40 Stunden/Woche |
| 9 | Überstundenregelung | Vergütung oder Freizeitausgleich |
| 10 | Urlaubsanspruch | 30 Arbeitstage |
| 11 | Kündigungsfristen und -form | 4 Wochen zum Monatsende, schriftlich |
| 12 | Hinweis auf Tarifverträge/Betriebs-/Dienstvereinbarungen | Falls anwendbar |
| 13 | Identität des Versorgungsträgers (bei bAV) | Falls vorhanden |
| 14 | Fortbildungsanspruch | Falls vorhanden |
| 15 | Verfahren bei Kündigung | Schriftform, Fristen |
Neue Pflichten seit 2022
Zusätzlich aufzunehmen:
- Dauer der Probezeit
- Vergütung von Überstunden
- Ruhezeiten
- Schichtsystem (falls vorhanden)
- Arbeit auf Abruf (Details)
- Kündigungsverfahren
- Fortbildungsanspruch
Checkliste Arbeitsvertrag
Grunddaten
☐ Vollständiger Name des Arbeitgebers ☐ Anschrift des Arbeitgebers ☐ Vollständiger Name des Arbeitnehmers ☐ Anschrift des Arbeitnehmers ☐ Beginn des Arbeitsverhältnisses ☐ Befristung (falls ja: Grund und Dauer)
Arbeitsleistung
☐ Tätigkeitsbezeichnung/-beschreibung ☐ Arbeitsort(e) ☐ Arbeitszeit (Wochenstunden) ☐ Verteilung der Arbeitszeit ☐ Überstundenregelung ☐ Probezeit (Dauer)
Vergütung
☐ Grundgehalt (brutto) ☐ Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld etc.) ☐ Variable Vergütung (falls vorhanden) ☐ Zahlungsturnus (monatlich) ☐ Fälligkeit (wann im Monat)
Urlaub und Abwesenheit
☐ Urlaubsanspruch (Tage) ☐ Urlaubsjahr ☐ Übertragungsregelung ☐ Regelung bei Krankheit
Beendigung
☐ Kündigungsfristen (beidseitig) ☐ Form der Kündigung (schriftlich) ☐ Hinweis auf KSchG (bei Anwendbarkeit)
Sonstiges
☐ Geheimhaltungspflicht ☐ Nebentätigkeitsregelung ☐ Wettbewerbsverbot (falls gewünscht) ☐ Vertragsstrafen (falls gewünscht) ☐ Hinweis auf Tarifvertrag/BV ☐ Salvatorische Klausel ☐ Datum und Unterschriften
Tipp
Verwenden Sie eine standardisierte Vertragsvorlage, die regelmäßig rechtlich geprüft wird. So vergessen Sie keine Pflichtangaben und minimieren Fehler.
Wichtige Vertragsklauseln
Tätigkeitsbeschreibung
Zu eng: „Der Arbeitnehmer ist als Buchhalter tätig."
Besser: „Der Arbeitnehmer ist als Buchhalter tätig. Der Arbeitgeber ist berechtigt, ihm andere zumutbare Aufgaben zu übertragen."
Warum: Eine zu enge Beschreibung schränkt Ihre Flexibilität bei Versetzungen ein.
Arbeitszeit und Überstunden
Formulierungsbeispiel:
Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, im Rahmen des gesetzlich Zulässigen Überstunden zu leisten, wenn betriebliche Belange dies erfordern. Überstunden werden durch Freizeitausgleich abgegolten.
Wichtig: Das Pauschalieren von Überstunden im Gehalt ist nur unter strengen Voraussetzungen zulässig und oft unwirksam.
Versetzungsklausel
Formulierungsbeispiel:
Der Arbeitgeber ist berechtigt, den Arbeitnehmer an einem anderen Ort einzusetzen, soweit dies nach billigem Ermessen zumutbar ist.
Nebentätigkeit
Formulierungsbeispiel:
Nebentätigkeiten bedürfen der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Arbeitgebers. Die Zustimmung ist zu erteilen, wenn berechtigte Interessen des Arbeitgebers nicht entgegenstehen.
Geheimhaltung
Formulierungsbeispiel:
Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, über alle ihm im Rahmen seiner Tätigkeit bekannt werdenden Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses Stillschweigen zu bewahren.
Typische Fehler vermeiden
Fehler 1: Fehlende Pflichtangaben
Problem: Nachweisgesetz wird nicht vollständig erfüllt.
Folge: Bußgeld bis 2.000 €, schlechte Beweislage bei Streit.
Lösung: Checkliste nutzen, Vorlage regelmäßig aktualisieren.
Fehler 2: Unwirksame Klauseln
Häufige Beispiele:
- Pauschale Überstundenabgeltung ohne Obergrenze
- Zu lange Probezeit (über 6 Monate)
- Unzulässige Vertragsstrafen
- Intransparente Kündigungsfristen
Folge: Klauseln sind unwirksam, es gilt gesetzliche Regelung.
Fehler 3: Fehlende Anpassung an Tarifvertrag
Problem: Tarifvertrag gilt, aber Vertrag widerspricht ihm.
Folge: Günstigkeitsprinzip – die für den Arbeitnehmer günstigere Regelung gilt.
Fehler 4: Kein schriftlicher Vertrag
Problem: Mündliche Vereinbarung, keine Dokumentation.
Folge: Beweisschwierigkeiten, Bußgeld nach NachwG.
Hinweis
Ein Arbeitsvertrag sollte klar, vollständig und fair sein. Zu viele einseitige Klauseln zugunsten des Arbeitgebers können vor Gericht unwirksam sein.
Besondere Vertragsformen
Befristeter Arbeitsvertrag
Zusätzlich zu regeln:
- Ende des Arbeitsverhältnisses (Datum oder Zweck)
- Sachgrund (falls sachgrundlose Befristung: max. 2 Jahre)
Schriftform: Die Befristungsabrede muss vor Arbeitsantritt schriftlich vereinbart sein. Sonst gilt der Vertrag als unbefristet.
Teilzeitvertrag
Zusätzlich zu regeln:
- Wöchentliche Stundenzahl
- Verteilung auf Wochentage
- Ggf. Lage der Arbeitszeit
Minijob-Vertrag
Besonderheiten:
- Verdienstgrenze beachten (520 €)
- Hinweis auf Rentenversicherungspflicht
- Pauschale Sozialabgaben durch Arbeitgeber
Führungskräfte-Vertrag
Zusätzliche Regelungen:
- Dienstwagen
- Variable Vergütung/Bonus
- Zielvereinbarungen
- Freistellung bei Kündigung
Vertragsänderungen
Wann nötig?
Änderungen erfordern Anpassung bei:
- Gehaltserhöhung
- Beförderung
- Arbeitszeitänderung
- Versetzung (dauerhaft)
Form
Schriftform empfohlen: Jede Vertragsänderung sollte schriftlich als Nachtrag oder neuer Vertrag dokumentiert werden.
Formulierung:
„Der Arbeitsvertrag vom [Datum] wird mit Wirkung zum [Datum] wie folgt geändert: [Änderung]. Im Übrigen bleibt der Arbeitsvertrag unverändert."
Häufige Fragen zum Arbeitsvertrag
Fazit
Ein vollständiger, rechtssicherer Arbeitsvertrag schützt beide Seiten und vermeidet Streitigkeiten. Nutzen Sie eine aktuelle Vorlage, prüfen Sie alle Pflichtangaben nach dem Nachweisgesetz und lassen Sie den Vertrag bei Unsicherheit rechtlich prüfen. Die Investition lohnt sich.
Arbeitszeiterfassung für alle Vertragsarten
MyTimeTracker unterstützt Vollzeit, Teilzeit, Minijobs und flexible Arbeitszeiten. Erfassen Sie Arbeitszeiten so, wie es der Vertrag vorsieht.
- Flexible Arbeitszeitmodelle
- Teilzeit-Unterstützung
- Überstundenverwaltung
Zeiterfassung starten
14 Tage kostenlos testen
