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Arbeitszeugnis: Inhalt und Formulierungen verstehen

Arbeitszeugnis verstehen: Aufbau, Inhalt, typische Formulierungen und ihre Bedeutung. Worauf Sie bei Ihrem Zeugnis achten sollten.

6 Min. Lesezeit
Arbeitszeugnis auf dem Schreibtisch

Arbeitszeugnis: Inhalt und Formulierungen verstehen

Das Arbeitszeugnis ist mehr als ein Stück Papier – es ist eine Visitenkarte für den nächsten Job. Aber was bedeuten die Formulierungen wirklich? Und worauf müssen Sie achten?

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis
  • Zeugnisse müssen wohlwollend und wahrheitsgemäß sein
  • Es gibt eine „Geheimsprache" mit verschlüsselten Bewertungen
  • „Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" = Note 1
  • Bei Mängeln: Korrektur verlangen

Arten von Arbeitszeugnissen

Einfaches Zeugnis

Enthält:

  • Art der Beschäftigung
  • Dauer der Beschäftigung

Enthält nicht:

  • Leistungsbewertung
  • Verhaltensbeurteilung

Wann:

  • Auf Wunsch des Arbeitnehmers
  • Bei sehr kurzer Beschäftigung

Qualifiziertes Zeugnis

Enthält zusätzlich:

  • Leistungsbewertung
  • Verhaltensbeurteilung
  • Führung und Sozialverhalten

Standard: Das qualifizierte Zeugnis ist der Normalfall.

Zwischenzeugnis

Wann:

  • Während des laufenden Arbeitsverhältnisses
  • Bei Vorgesetztenwechsel
  • Bei Versetzung
  • Auf Wunsch

Anspruch: Bei berechtigtem Interesse.

Aufbau eines Arbeitszeugnisses

1. Überschrift und Einleitung

Typisch:

Arbeitszeugnis

Herr/Frau [Name], geboren am [Datum], war vom [Datum] bis zum
[Datum] in unserem Unternehmen als [Position] beschäftigt.

2. Unternehmensbeschreibung

Kurze Info zum Arbeitgeber:

  • Branche
  • Größe
  • Tätigkeit

3. Tätigkeitsbeschreibung

Aufgaben des Arbeitnehmers:

  • Hauptaufgaben
  • Verantwortungsbereiche
  • Projekte

4. Leistungsbeurteilung

Bewertung der Arbeitsleistung:

  • Fachwissen
  • Arbeitsweise
  • Arbeitserfolge
  • Zusammenfassung

5. Verhaltensbeurteilung

Soziales Verhalten:

  • Gegenüber Vorgesetzten
  • Gegenüber Kollegen
  • Gegenüber Kunden

6. Beendigungsformel

Grund des Ausscheidens:

  • Auf eigenen Wunsch
  • Betriebsbedingt
  • Im gegenseitigen Einvernehmen

7. Schlussformel

Dank und Wünsche:

  • Bedauern über Ausscheiden
  • Dank für die Zusammenarbeit
  • Zukunftswünsche

Hinweis

Die Schlussformel ist freiwillig – aber ein Fehlen wird oft negativ interpretiert. Achten Sie darauf, dass Dank und gute Wünsche enthalten sind.

Die Zeugnissprache

Das Notensystem

Typische Leistungsbewertung:

FormulierungSchulnote
stets zu unserer vollsten Zufriedenheit1
stets zu unserer vollen Zufriedenheit2
zu unserer vollen Zufriedenheit3
zu unserer Zufriedenheit4
im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit5
hat sich bemüht6

Verstärker und Abschwächer

Positiv (verstärkend):

  • stets
  • immer
  • jederzeit
  • besonders
  • außerordentlich

Negativ (abschwächend):

  • im Wesentlichen
  • im Großen und Ganzen
  • grundsätzlich
  • in der Regel

Reihenfolge beachten

Bei Verhaltensbeurteilung: Richtige Reihenfolge: Vorgesetzte → Kollegen → Kunden

Wenn Vorgesetzte fehlen: Könnte auf Probleme mit Vorgesetzten hindeuten.

Typische Formulierungen

Leistungsbeurteilung

Sehr gut: „Herr/Frau X erledigte alle Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit."

Gut: „Herr/Frau X erledigte alle Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit."

Befriedigend: „Herr/Frau X erledigte alle Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit."

Ausreichend: „Herr/Frau X erledigte alle Aufgaben zu unserer Zufriedenheit."

Verhaltensbeurteilung

Sehr gut: „Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich."

Gut: „Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war vorbildlich."

Befriedigend: „Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war einwandfrei."

Schlussformel

Sehr gut: „Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr und danken für die stets sehr gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir alles Gute und weiterhin viel Erfolg."

Gut: „Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden und danken für die gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir alles Gute und viel Erfolg."

Ohne Schlussformel: Warnsignal – fehlende Wertschätzung.

Geheimcodes erkennen

Negative Verschlüsselungen

FormulierungBedeutung
„war stets bemüht"Hat es nicht geschafft
„zeigte Verständnis"Konnte es nicht umsetzen
„war beliebt bei Kollegen"Aber nicht bei Vorgesetzten
„arbeitete gewissenhaft"Aber langsam
„war pünktlich"Sonst nichts Positives

Auslassungen

Wenn etwas fehlt:

  • Keine Erwähnung von Führung → Führungsschwäche
  • Kein Kundenkontakt erwähnt → Probleme mit Kunden
  • Keine Projekte genannt → Keine besonderen Leistungen

Passivformulierungen

Aktiv (positiv): „Herr X führte das Team erfolgreich."

Passiv (kritisch): „Das Team wurde von Herrn X geführt." → Distanzierung, weniger Zurechnung des Erfolgs.

Tipp

Lesen Sie Ihr Zeugnis kritisch. Vergleichen Sie mit Beispielzeugnissen. Im Zweifel: Anwalt oder Gewerkschaft fragen.

Rechte und Pflichten

Anspruch auf Zeugnis

Gesetzlich:

  • § 630 BGB (Dienstvertrag)
  • § 109 GewO (Arbeitnehmer)

Wann:

  • Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses
  • Auf Verlangen auch während (Zwischenzeugnis)

Wohlwollenspflicht

Arbeitgeber muss:

  • Wohlwollend formulieren
  • Berufliches Fortkommen nicht behindern

Aber auch:

  • Wahrheitsgemäß bleiben
  • Keine falschen Tatsachen

Berichtigungsanspruch

Wenn Zeugnis falsch:

  • Korrektur verlangen
  • Schriftlich begründen
  • Frist setzen (2-3 Wochen)
  • Notfalls klagen

Verjährung

Zeugnisanspruch:

  • Grundsätzlich 3 Jahre
  • Aber: Verwirkung möglich
  • Besser zeitnah verlangen

Zeugnis prüfen

Checkliste

Formales: ☐ Firmenbogen/professionelles Papier ☐ Datum des Ausscheidens ☐ Korrekte persönliche Daten ☐ Unterschrift (nicht eingescannt) ☐ Keine Flecken/Knicke

Inhalt: ☐ Vollständige Tätigkeitsbeschreibung ☐ Leistungsbeurteilung vorhanden ☐ Verhaltensbeurteilung vorhanden ☐ Richtige Reihenfolge ☐ Schlussformel mit Dank und Wünschen

Bewertung: ☐ Mindestens „gut" als Gesamtnote ☐ Keine negativen Codes ☐ Keine verdächtigen Auslassungen ☐ Keine Passivformulierungen

Typische Mängel

Häufig bemängelt:

  • Fehlende Schlussformel
  • Zu kurze Tätigkeitsbeschreibung
  • „Zu unserer Zufriedenheit" statt besser
  • Fehlende Verhaltensbeurteilung

Korrektur verlangen

Vorgehen

Schritt 1: Zeugnis prüfen Schritt 2: Mängel identifizieren Schritt 3: Schriftlich um Korrektur bitten Schritt 4: Begründung liefern Schritt 5: Frist setzen Schritt 6: Bei Ablehnung: Rechtsberatung

Musterschreiben

Betreff: Korrektur des Arbeitszeugnisses vom [Datum]

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für das übersandte Arbeitszeugnis. Nach Durchsicht
bitte ich um folgende Korrekturen:

1. [Konkrete Änderung]
2. [Konkrete Änderung]

Ich bitte um Zusendung eines korrigierten Zeugnisses bis zum [Datum].

Mit freundlichen Grüßen

Häufige Fragen zum Arbeitszeugnis

Der Anspruch verjährt nach 3 Jahren. Aber: Warten Sie nicht so lange. Je mehr Zeit vergeht, desto schwerer wird es für den Arbeitgeber, ein aussagekräftiges Zeugnis zu schreiben. Verlangen Sie das Zeugnis zeitnah nach dem Ausscheiden.
Nein. Das Zeugnis muss wahrheitsgemäß sein. Ein unberechtigtes 'sehr gut' können Sie nicht erzwingen. Aber: Das Zeugnis muss wohlwollend formuliert sein und darf Ihr Fortkommen nicht unberechtigt behindern.
Eine fehlende Schlussformel (Dank, gute Wünsche) wird oft negativ interpretiert – als ob der Arbeitgeber sich nicht von Ihnen verabschieden wollte. Die Schlussformel ist zwar nicht verpflichtend, aber ihr Fehlen ist ein Warnsignal für den nächsten Arbeitgeber.
Ja, die Beendigungsart darf genannt werden. 'Auf eigenen Wunsch' ist besser als 'wurde gekündigt'. Bei betriebsbedingter Kündigung ist der Zusatz 'betriebsbedingt' wichtig und nicht negativ. Bei fristloser Kündigung wird es schwieriger.

Fazit

Ein gutes Arbeitszeugnis ist wichtig für Ihre Karriere. Prüfen Sie es sorgfältig auf versteckte Codes und Auslassungen. Die Mindestnote sollte „gut" sein – „befriedigend" gilt heute als unterdurchschnittlich. Bei Mängeln: Korrektur verlangen. Im Zweifel professionelle Hilfe holen.

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